Warum gibt es keinen REVERCHON Wein mit BIO-Siegel?

Liebe REVERCHON Freundinnen & Freunde,
in unserem Mailing vom März 2017 hat unser Betriebsleiter & Oenologe ein Statement zum Bioweinbau verfasst, dass wir Ihnen auch auf unserer Website nicht vorenthalten möchten.

Das Team des Weinguts REVERCHON betreibt seit 10 Jahren integrierten, umweltschonenden
Steillagenweinbau— und das aus Überzeugung.

Der Falsche Mehltau, auch Peronospora genannt, findet in feuchten und warmen Jahren, wie zum Beispiel im Jahr 2016, optimale Witterungsbedingungen. Ein Horror für uns Steillagenwinzer. Trifft der falsche Mehltau auf junge, ungeschützte Trauben, so zerstört er diese und es gibt keine Möglichkeit mehr daraus reife und gesunde Trauben zu ernten.

Seit dem Jahr 2014 ist im BIO-Weinbau nur noch ein einziges Mittel zum Schutz der Traube zugelassen: Das Schwermetall Kupfer. Dieses baut sich nicht natürlich ab, sondern reichert sich vielmehr im Boden an und schädigt die dort lebenden Organismen. Zudem verringert es die Biodiversität und vertreibt nützliche Tiere wie den Regenwurm.

Früher interessierte das niemanden: Bis zu 60 Kilogramm Kupfer pro Hektar gelangten in den 1960er und 1970er Jahren in einigen Regionen jedes Jahr in die Erde. Heute ist EU-weit nur noch ein Zehntel davon erlaubt; ein Beschluss der deutschen Ökoanbauverbände lässt sogar nur noch vier Kilogramm je Hektar zu. Im Jahre 2016 mussten die BIO-Winzer allerdings feststellen, dass mit diesen vergleichsweise „geringen“ Mengen an Kuper kein ausreichender Traubenschutz erreicht wurde und es zu massiven Qualitäts- und Ernteverlusten kam.

Die Belastungsgrenze der Böden ist vielfach erreicht. Mindestens mittelfristig müsste Kupfer aus dem Arsenal des Pflanzenschutzes verschwinden, da es dem Prinzip des Ökologischen Landbau wiederspricht. Die Bundesregierung hat den Einsatz von Kupfer im Landbau bis 2021 zugelassen. Sollte es bis dahin nicht möglich sein, alternative Pflanzenschutzmittel einzusetzen, ist der BIO-Weinbau in Deutschland am Ende.

Welche Alternativen gibt es?
Kaliumphosphonat, ein gesundheitlich unbedenklicher, aber in der Natur nicht vorkommender synthetischer Wirkstoff, der Pflanzen gegen Pilzerkrankungen wie den Mehltau schützt. In Deutschland und einigen anderen Staaten der Europäischen Union war es bis Oktober 2013 als Pflanzenschutzmittel im biologischen Weinbau zugelassen und trug somit dazu bei, den Einsatz von Kupferpräparaten zu minimieren. Der Wirkstoff ist ökologisch völlig unbedenklich und etwa so gefährlich wie Kochsalz. Auf drängen verschiedener Weinbaunationen, wie Frankreich, Italien und Spanien wurde
Kaliumphosphonat für den biologischen Weinbau in der EU verboten—für den integrierten Steillagenweinbau ist er aber weiterhin zugelassen und auch für den biologischen Weinbau in Ländern außerhalb der EU. Auf Drängen Österreichs und Deutschlands wird seit 4 Jahren in den EU-Gremien über eine Wiederzulassung des Wirkstoffs für den Bio-Weinbau diskutiert—bis heute ohne Ergebnis.

Was macht REVERCHON?
Wir sind nicht bereit das Bodenleben in unseren Schiefersteillagen durch Kupfer zu zerstören.
Das Risiko starker Bodenerosionen bei Starkregen ist uns zu groß und somit verzichten wir völlig auf Kupfer und setzen Kaliumphosphonat ein. So betreiben wir biologischen Weinbau ohne Bio-Siegel wie vor dem Jahre 2013— nachhaltig und mit gutem Gewissen.

Unsere Weinberge werden grundsätzlich begrünt, um Erosion, Bodenverdichtung und das Auswaschen von Nährstoffen ins Grundwasser zu verhindern. Statt chemischer Herbizide wie Glyphosat setzen wir bei der Unkrautbelämpfung auf mechanische Methoden wie Kreiselmulcher, Freischneider, Roll-und Fingerhacken. Die Bekämpfung des Traubenwicklers erfolgt nur über biologische Präparate, welche Nützlinge wie Raubmilben und Florfliegen schonen. Zur Verwirrung der tierischen Schädlinge setzen wir Sexuallockstoffe (Pheromone) ein.

Unsere Selbstverpflichtung zum umweltschonenden integrierten Steillagenweinbau wird von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Standort Trier, jährlich überprüft und testiert. Damit sind wir sicher, generationenübergreifend den Weinbau in der wunderschönen Kulturlandschaft der Saar erfolgreich weiterführen zu können und Ihnen weiterhin bekömmliche Weine, von unbeschwertem Trinkgenuss bieten zu können.
Herzlichst

Ralph Herke
Betriebsleiter und Önologe